Von Hund zu Hund

Zeckenzeit – Schutz & Behandlung für Hund und Mensch

Jedes Jahr werden es gefühlt mehr Zecken. Das Jahr 2020 hat kaum angefangen und ich zähle Anfang April schon die sechste Zecke an Balu. Wie könnt Ihr Euren Hund schützen und was tun, wenn er infiziert ist?

Weltweit gibt es gut 900 Zeckenarten.
Etwa 20 von ihnen kommen in Deutschland vor. 

Die bekanntesten Zeckenarten in Deutschland

  1. Gemeiner Holzbock
    Der Name ist Programm – die Zeckenart kommt am häufigsten vor und überträgt Krankheiten wie Borreliose-Bakterien und FSME-Viren. Auf Hund und Mensch. Sobald es an mehrere Tagen im Jahr über sieben Grad ist, zeigt sich die Zecke und befällt uns demnach nicht erst im Sommer. Sie lebt in Wäldern, aber auch in Stadtparks und Gärten.
  2. Auwaldzecke
    Gibt sich auch mit weniger warmen Temperaturen zufrieden und ist schon im Januar und Februar aktiv. Sie ist besonders gefährlich für Hunde (weniger für Menschen), da sie auch Babesiose-Bakterien (Hundemalaria) überträgt. Vorwiegend findet uns die Zecke im Osten und Südwesten. 
  3. Braune Hundezecke
    Befällt ebenfalls hauptsächlich Hunde und überträgt verschiedene Krankheiten. Babesiose, Anaplasmose und Ehrlichiose. Sie ist eigentlich am Mittelmeer heimisch, aber ist auch schon an Hunden in Deutschland gefunden worden. Sie liebt die Sommermonate und beheizte Wohnungen. 
  4. Hyalomma Zecke
    Die Zecke ist seit 2018 in Deutschland bekannt und vor ihr grusel ich mich besonders. Sie ist fünf Mal so groß wie die anderen Zeckenarten und macht gezielt Jagd auf ihre Opfer. Sie wittert ihre Beute schon auf neun Meter Entfernung und können sie bis zu 10 Minuten auf 100 Metern verfolgen. Ist das zu fassen?

Jede Zeckenart kann Bakterien oder Viren übertragen, die Mensch und Hund sehr krank machen können. Im Krankheitsverlauf äußern sich die meisten durch Fieber, Abgeschlagenheit, Entzündungen in Gelenken und Durchfall.

Zecken sitzen im hohen Gras, in Wäldern und sind auch in Stadtparks zu finden

Infektionen durch Zeckenstiche

  1. Borreliose (Bakterien)
  2. FSME (Seltenere Viruserkrankung)
  3. Anaplsmose (Bakterien)
  4. Babesiose (Einzeller)

Leider ist es so, dass wir bei Hunden die Krankheit erst spät feststellen. Bei Menschen bildet sich um die Stichstelle eine ringförmige Hautrötung. Das ist bei Hunden i.d.R. nicht so und die Stelle ist eh durch Fell bedeckt und dadurch kaum erkennbar.  Nach dem Zeckenstich breiten sich die Bakterien im Blutkreislauf aus und befallen Gelenke, Nervensystem und Organe.

Erste Symptome sind nach 4 bis 6 Wochen:

  • Hund fühlt sich matt
  • Hund ist appetitlos
  • Hund bekommt Fieber bis 40,5 Grad

Weitere Symptome nach Wochen bis Monaten:

  • Schmerzhafte Entzündungen der Gelenke (meist Beine)
  • Der Hund lahmt
  • Fieberschübe
  • Appetitlosigkeit
  • Muskelschmerzen
  • Schädigung des Herzens (Einzelfälle)
  • Tödliches Nierversagen (Einzelfälle)

Ist der Corona- Virus ansteckend für meinen Hund?

Wie kann ich mich und meinen Hund vor Zecken schützen?

Die ersten acht Jahre hat Balu 1x im Jahr eine Zeckentablette bekommen. Er hat die Tablette immer gut vertragen. Da ich aber so viel negatives über die Chemiekeule gehört habe, versuchte ich es in den vergangenen zwei Jahren mit diversen anderen Hausmittelchen und homöopathischen Empfehlungen

  • Schwarzkümmelöl
  • Kokosöl
  • Bernsteinhalsband
  • Tic Clic Anhänger fürs Halsband
  • usw.

Ich möchte gar nicht genauer auf die einzelnen Theorien dahinter eingehen und mache es kurz: Nichts hat funktioniert! Studien können auch nicht abschließend bestätigen, dass etwas von den „Naturmittelchen“ wirkt. Hätte mich echt gefreut, da ich Balu auch nicht unnötig wieder mit Chemie vollpumpen will. Neben den Hausmittelchen gab es da auch noch das Seresto Halsband. Ist allerdings auch Chemie und kann beim Hund Hautausschläge auslösen. 

Was Ihr aber auf jeden Fall tun könnt:

  • Impfungen
    Für Menschen gibt es keine Impfung gegen Borreliose. Ich habe mich allerdings bei meinem Allgemeinarzt gegen FSME impfen lassen. FSME ist die Abkürzung für„Frühsommer-Meningoenzephalitis“. Dabei handelt es sich um Entzündungen von Rückenmark, Gehirn und Gehirnhaut.
    Für Hunde gibt es hingegen keine Impfstoff gegen FSME, dafür aber gegen Borreliose. Dazu rät auch die Ständige Impfkommission für Veterinärmedizin
  • Die richtige Kleidung
    Zumindest der Mensch kann sich schützen, in dem er festes Schuhwerk trägt und lange Kleidung. Also lange Ärmel und Hosenbeine. Zusätzlich am besten noch die Socken über die Hosenbeine ziehen. Sieht schön bescheuert aus, aber darum gehts ja nun nicht. Natürlich ist es im Sommer so eine Sache mit Kleidung, die viel bedeckt. 
  • Fell & Haut absuchen
    Nach jedem Spaziergang oder Ausflug in die Natur, Fell und Haut nach Zecken absuchen. Das ist eigentlich eine sichere Alternative. Bei Balu finde ich sehr oft krabbelnde Zecken auf seinem Fell. Auch schon während des Spazierganges. 

Wenn es doch passiert ist…

Zecke so schnell wie möglich beim Hund entfernen

Die Zecke muss erstmal 16 bis 24 Stunden Blut saugen, um Keime auf den Hund zu übertragen. Deswegen ist es wichtig, die Zecke so schnell wie möglich zu entfernen. Das Problem ist, dass sie am Anfang noch sehr klein sind und schlecht zu fassen.
Werkzeuge gibt es viele. Die geläufigsten sind wohl die Zeckenkarte, Zeckenzange und Zeckenhaken. Ich habe ALLES zuhause, komme aber am besten mit der Karte zurecht. Wobei ich gestehen muss, dass meistens mein Mann die Zecke zieht. Bei mir gehts irgendwie oft schief. Und das sollte nicht passieren. 

Vielleicht war so ein Fehlversuch schuld daran, dass bei Balu im vergangenen Jahr Borreliose festgestellt wurde. Vielleicht lag es aber auch daran, dass ich zwei Jahre herum experimentiert habe. Fakt ist, die Infektion ist wahrscheinlich zu spät erkannt worden. 

Die Behandlung 

Ob Anaplasmose, Borreliose oder Babesiose – alle Infektionen sollten so schnell wie möglich erkannt werden. So steigert Ihr die Chancen, die Krankheit in den Griff zu bekommen. Wenn Ihr Symptome bei Eurem Hund feststellt, könnt Ihr beim Tierarzt einen Schnelltest veranlassen. Bei positivem Ergebnis kann dann schnellstmöglich eine antibiotische Therapie begonnen werden. 

Meistens bekommen Hunde Doxycyclin für etwa vier Wochen. Oft ist eine Besserung der Symptome bereits nach den ersten Tagen zu sehen. Rückfälle sind trotz Behandlung allerdings nicht selten. Wenn die Krankheit spät erkannt und chronisch wird, sind die Erreger schwer zu eliminieren und die antibiotische Therapie muss wiederholt werden. 

Bleibt gesund,

 

 

 

 

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