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Tierschutz

Tierschutz

Antworten auf Eure Fragen zu Tierversuchen

Nachdem im Oktober 2019 über 7000 Menschen an der der Demonstration von SOKO Tierschutz gegen das Tierversuchslabor Laboratory of Pharmacology and Toxicology (LPT) teilnehmen, sind es im November bei der zweiten Großdemo schon 15.000 Menschen. Die bisher größte Tierschutz Demo in Deutschland. Und das trotz Hamburger Schietwetter.

Durch die investigativen Ermittlungen über Tierschutzvergehen und die Tierversuchslabore in Deutschland klärt SOKO auf und wir können nicht mehr weg sehen.

Die Demonstranten kommen aus ganz Deutschland und sogar aus Nachbarländern. Auch ich fahre zur Demo nach Hamburg, um den Tieren meine Stimme zu geben. Zwei Wochen später bin ich bereits in Münster bei der Demonstration gegen den Ausbau des größten Affen-Versuchslabor in Europa „Covance“.  Organisiert von „Ärzte gegen Tierversuche“. Ich kann es nicht fassen, wieviele Tiere tagtäglich leiden und sterben.
Für mich. Für uns. Für den bequemen Konsum.

Laut sein und Tieren eine Stimme geben – hier bei der Demonstration in Münster gegen die Erweiterung des Labors Covance


Wie ich, habt auch ihr viele Fragen, die Ihr mir geschickt habt. Ich spreche dafür mit Friedrich Mülln, Gründer von SOKO-Tierschutz, informiere mich auf Internetseiten wie  „Ärzte gegen Tierversuche“ und „PETA“.

Warum gibt es Tierversuche?
Hinter Tierversuchen steckt eine gewaltige Industrie. Allein die Zucht von Tieren bringt einigen Regionen Millionenbeträge im Jahr ein. So führt PETA das Beispiel von Mauritius auf: Einer der größten Affen-Exporteure für Tierversuche, verdient 2017 17 Millionen mit dem grausamen Handel. Außerdem generiert die Forschung Milliarden an Gelder. Dabei wissen wir schon lange, dass Ergebnisse aus Tierversuchen nicht auf den Menschen übertragbar sind. Während wir alle Tierversuche mit unseren Steuern subventionieren, stehen der tierversuchsfreien Forschung nur einen Bruchteil der finanziellen Unterstützung zu.

Tierversuchshochburgen in Deutschland

Wieviele Labore gibt es in Deutschland?
Es gibt ca. 700 Tierversuchslabore in ganz Deutschland. Eine Karte der Hochburgen hat z.B. die Organisation „Ärzte gegen Tierversuche“ veröffentlicht. Genauere Angaben gibt es nicht, da Informationen über Standorte nicht öffentlich zugänglich sind. „Ärzte gegen Tierversuche“ hat zur Erstellung der Karte Artikel aus wissenschaftlichen Fachzeitschriften tierexperimenteller Arbeiten ausgewertet. Tierversuche für die Medizin- und Pharmaindustrie unterliegen den Betriebsgeheimnissen und werden selten publiziert. 

Wieviele Tiere werden in Versuchslaboren benutzt?
Im Jahr 2018 sind es 2.825.066 (also fast 3 Millionen) Tiere, die wir quälen und töten. Die Dunkelziffer ist weit aus höher. Affen, Hunde, Katzen, Mäuse…
Die gerade veröffentlichen Zahlen des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft sind geringer. Wirbellose Tiere wie Insekten, an denen sie Depressionsforschung betreiben, zählen bei Ihnen nicht mit. Oder Tiere, denen Organe entnommen wurden (zu wissenschaftlichen Zwecken getötet) oder die genetisch manipuliert werden oder wiederverwendet wurden. 

Tierschutzverordnung mit Schlupflöchern


Woher stammen die Tiere für die Labore?
Aus aller Welt. Es gibt eine wahnsinnig große Zulieferindustrie. Die Tiere werden in Massen gezüchtet, gehalten und gehandelt. Vor allem im Ausland, wo es weniger Vorschriften und Kontrollen gibt. Die Tiere werden auch unter den Laboren weitergeben. Es gibt nämlich keine Tierschutzverordnung, die regelt, wie oft ein Tier missbraucht werden darf, so Friedrich Mülln von SOKO. Man darf quasi alles, was einen normalerweise in den Knast bringen würde.

Und ich dachte Tierversuche sind mittlerweile verboten?
Für Grundlagenforschung (Erweiterung von Wissen wir für Umwelt oder Bildung) und Medizin sind Tierversuche erlaubt. Seit März 2013 dürfen keine Kosmetika mehr verkauft werden, deren Inhaltsstoffe nach diesem Datum an Tieren getestet wurden. 

Wichtig zu wissen ist allerdings, dass Firmen, die in der EU tierversuchsfreie Produkte verkaufen, für den chinesischen Markt trotzdem Tierversuche in Auftrag geben. In China sind sie dazu verpflichtet. Und der Markt dort ist groß. Sehr groß. Einige Firmen haben sich allerdings komplett von dem Markt zurück gezogen.

Listen zu tierversuchenfreien Kosmetika, Putzmittel, Hundefutter findet Ihr hier: 

Sogar innerhalb der EU gibt es Schlupflöcher. Wegen der sogenannten REACH-Verordnung dürfen noch Inhaltsstoffe an Tieren getestet werden. Z.B. wenn Chemikalien verwendet werden, die nur für Kosmetika verwendet werden und Arbeiter mit diesen bei der Produktion in Kontakt kommen

 

Welche Unternehmen beauftragen Tierversuche?
Eigentlich fast alle, sagt Tierschützer Friedrich Mülln. Tierversuche stecken im Auto, der Kleidung, dem Hustenbonbon und im Hundefutter. Aber auch der Staat z.b das Militär.
Im Internet stoße ich immer wieder auf die ganz großen Firmen, wie Estée Lauder, Procter & Gamble, Unilever und Henkel. Sehr wenige Ausnahmen versuchen zumindest ihre Tierveruschs-Politik zu ändern. Wie Colgate-Palmolive, deren Ziel es ist, weniger Tiere für Versuche zu benutzen. Das heißt aber nicht, dass sie ganz darauf verzichten werden.
L`Oreal besitzt wenigstens Marken, die grausamkeitsfrei bleiben. Die meisten Produkte von ihnen landen aber trotzdem auf dem chinesischen Markt.

Es gibt außerdem Unternehmen, die für ihre eigenen Marken nicht an Tieren testen, wie `The Body Shop`, aber im Besitz von anderen Unternehmen sind, die Tests an Tieren durchführen.

Diese Liste bringt Aufschluss darüber welche Unternehmen für welche Produkte Tierversuche in Auftrage geben. 

Wie sollen wir da durchblicken und sicher gehen, dass die richtigen Produkte in unseren Einkaufswagen wandern?

Achtet beim Einkauf auf diese Siegel auf Verpackungen.

Welche Behörden genehmigen Anträge für Tierversuche und wie werden die überprüft?
Friedrich Mülln erklärt mir, dass der Staat Anträge genehmigt, aber viele eigentlich nur angezeigt werden müssen. Die meisten Giftigkeitstests überprüft keiner. Alle 1-3 Jahre wird ein Labor angekündigt kontrolliert. Bei Affen jährlich, bei allen anderen Tieren alle 3 Jahre. Die Vet Ämter sind unfähig, desinteressiert und teilweise korrumpiert. Die Kontrollen sind sinnlos.
Was fehlende Kontrollen bewirken können erleben wir am Beispiel des Labors für Pharmacology und Toxicology (LPT) bei Hamburg. SOKO Tierschutz schleust Anfang 2019 einen Mitarbeiter ein und veröffentlicht verdeckte Videoaufnahmen. Sie sollen z.B. einen Manipulationsvorwurf zeigen. Ein verstorbener Affe sei während einer Versuchsreihe verstorben und einfach durch einen Neuen erst worden, ohne den Tod zu melden. So konnte die Studie weitergeführt werden. Tiere sollen dort systematisch gequält werden. Hunde liegen blutverschmiert mit offenen Wunden in Käfigen. 

„Es ist erschütternd zu sehen, wie sich diese Hunde nach Zuneigung und Fürsorge verzehren und dann so erbärmlich in ihrem Blut sterben müssen“, sagt der SOKO-Tierschutz-Ermittler. Katzen stechen sie bis zu 13 Mal in die Beine. Affen fehlt das vorgeschrieben Beschäftigungsmaterial und sie müssen in viel zu kleinen Käfigen leben.

Aufgrund der Veröffentlichungen ermitteln Behörden und Staatsanwaltschaft. Das Veterinäramt kontrolliert und bestätigt, dass die Käfige zu klein sind. Aber warum wird das nicht vorher festgestellt? Die Tierschützer fordern die sofortige Schließung des Labors. Und tatsächlich. Aufgrund des Drucks, soll das Labor Ende Februar 2020 schließen. Bis dahin führen sie noch eine Studie für die Firma Merck zu Ende.

Warum werden Beagle so oft für Tierversuche genommen?
Ihre Charakterzüge machen den Beagle zu einem Optimalen Versuchstier. Die Rasse ist freundlich, aufgeweckt, ausgeglichen und optimistisch. Und sie sind sozialverträglich. Deswegen können sie in den Laboren gut in Gruppen gehalten werden.

Nicht alles was man kann und nützt, darf man auch tun


Was kann jeder einzelne von uns tun?
Bewusst Einkaufen. Vegan Leben. Druck machen. Das wünscht sich Friedrich Mülln. Immer nachfragen bei Firmen, unbequem sein. Es gibt Labels auf Produkten, die etwas Schutz vor Tierversuchen bieten.

Gibt es Versuche, die durch nichts anderes ersetzbar sind?
Ja, wenige Bereiche, sagt Mülln. Aber nicht alles was man kann und vielleicht nützt, darf man auch tun!

Und das sollte uns Menschen mit Herz und Verstand doch ausmachen. Jeder kann einen Teil dazu beitragen. Die ersten Schritte sind einfach und es tut gut, endlich die Augen auf zu machen und ein Teil von einer besseren Welt zu sein.